Rosis Rückkehr

By January 15, 2016 News
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Aus Anlass der 40. Wiederkehr ihrer Riesenerfolge bei der Olympischen Spiele 1976 und der heurigen International Children’s Games kehrte Rosi Mittermaier wieder an den Ort des Geschehens zurück. Die damals 25-Jährige gewann zwei Goldmedaillen in den Disziplinen Slalom und Abfahrt und eine Silbermedaille im Riesentorlauf. Gemeinsam mit ihrem Mann, Christian Neureuther, der ebenfalls ein erfolgreicher Weltcupfahrer war, startete sie als Vorläuferin beim Parallelslalom der ICG. Für die Athletinnen und Athleten der ICG sind 40 Jahre wohl doch etwas zu lange her. Als wir sie fragten wer Rosi Mittermaier sei, wusste keiner eine Antwort. Lediglich ein Junge aus der deutschen Delegation wusste, dass sie die Mutter des erfolgreichen Weltcupfahrers Felix Neureuther ist.

Aufgrund des Jubiläums und ihres 65. Geburtstages plante der ARD eine Reportage unter dem Motto „Damals wie heute“ zu drehen, welche kurzerhand in die Axamer Lizum verlegt wurde. Als Studentinnen des Medienkollegs in Innsbruck durften wir sie den ganzen Tag begleiten.

Der Tag war genau durchgeplant. Los ging es damit, dass Rosi und Christian als Vorläufer beim Parallelslalom der ICG starteten und bewiesen, dass sie es immer noch können. Nach ein paar Interviews mit der österreichischen und deutschen Presse hieß es ab auf die Piste – die Reportage des ARD sollte gedreht werden. Pünktlich um 12 Uhr wurden Rosi und Christian dann vom Präsidenten der ÖOC, Karl Stoss, und Geschäftsführer der Lizum AG, Reinhard Wieser, im Hoadlhaus empfangen. Bei strahlendem Sonnenschein präsentierte sich die Tiroler Bergwelt von ihrer besten Seite und vor diesem Panorama wurde Mittag gegessen. Anschließend saßen wir noch gemütlich mit Rosi zusammen und erfuhren so einiges von der Olympiasiegerin.

„Es ist immer schön an den Ort zurückzukommen, an dem man viel Erfolg und Glück gehabt hat“, schwärmt Rosi Mittermaier über ihre Rückkehr an den Ort ihres größten Triumphs bei den Olympischen Spielen 1976 in der Axamer Lizum. „Was mich besonders freut, ist, dass an diesem Ort die International Children’s Games stattfinden, genau um das geht es nämlich.“ – Junge Athleten, die aus der ganzen Welt zusammenkommen, um ihre Leidenschaft für den Sport zu teilen. „Ein großartiges Event“, findet Rosi Mittermaier, das den Jugendlichen Fairplay und den Spaß am Sport vermitteln soll. Für sie sind die ICG ohne Zweifel vergleichbar mit den Olympischen Winterspielen. „Wenn man einmal dabei war und die Verbundenheit mit den anderen Nationen spürt, vergisst man das nie.“ Auch bei ihrem Sohn und Ski-Ass Felix Neureuther und den anderen Skiweltstars merkt man, dass Freundschaft immer vor dem Sieg stehen wird. „Natürlich will man gewinnen. Wenn man nicht schnell genug gefahren ist, dann ist man selbst schuld, aber deswegen ist der, der schneller war, weiterhin mein Freund.“ Sport verbindet Nationen und zeigt deutlich auf, wer sich daneben benimmt, denn für unfaires Verhalten ist im Sport einfach kein Platz. „Es kann nicht jeder an der Spitze sein, wenn die anderen nicht mitfahren, ist auch keiner an der Spitze.“ – Für Rosi bedeutet der Rennsport, mehr Freude daran zu haben, in der freien Natur zu sein und eine gute Zeit zu verbringen, als die Bestzeit zu erzielen. „Menschen, die nur die ersten drei Plätze sehen, sind nicht zu beneiden, denn sie verstehen nicht, worum es wirklich geht.“ Wenn sie die vielen strahlenden Augen der jungen Athleten sieht, die aufgeregt am Start stehen, ist sie froh, dass es bei den ICG noch anders ist. Genau diese Spannung am Start ist es auch, die für Rosi Mittermaier den Reiz am Leistungssport ausmacht. Sie erinnert sich noch ganz genau an die Zeit, als sie diese Spannung vor jedem Rennen

gespürt hat. „Es ist eine sehr intensive Zeit, wenn man einen Leistungssport betreibt, da erinnert man sich sehr gut an die verschiedenen Ereignisse.“ Wie an die eine Schrecksekunde, die sie am Slalomhang, dem Birgitzköpfl, in der Axamer Lizum erlebte, als sich ihre Ski während des Laufs kurz überkreuzten. „Zum Glück war ich so locker drauf, dass ich den Ski einfach wieder zurückgestellt habe und dann sogar den Slalom gewann“, lacht Rosi über das Erlebnis bei den Olympischen Spielen 1976. Natürlich hat sich hier in der Axamer Lizum einiges verändert seit damals. Das Haus Kapferer, in dem sie damals mit dem deutschen Team vor dem Renntag übernachtete, steht nicht mehr, aber der atemberaubende Ausblick vom Hoadl hinunter auf Innsbruck ist immer noch derselbe.

Ziemlich abrupt wurde unser Gespräch dann beendet, denn der Landeshauptmann wartete im Tal und vorher stand noch ein Fotoshooting am Programm. Den Schneewalzer tanzend wurden Rosi und Christian fotografiert, wobei auch die beiden sichtlich Spaß hatten.

Nachdem Günther Platter sie bei der Talstation empfangen hatte, machten wir uns auf den Weg zur Siegerehrung der Tiroler Schulwinterspiele, die zeitgleich in der Axamer Lizum stattfanden.

Unter großem Jubel überreichte Mittermaier die Preise an die stolzen Siegerinnen und Sieger. Und weil sie gerade warm gelaufen war, durfte sie bei der Siegerehrung der International Children’s Games gleich weitermachen. Nachdem alle ihre Medaillen erhalten hatten, gab es noch eine Überraschung für Rosi: Hugo Nindl, ehemaliger Rennfahrer und Leiter der Skischule Axams, schenkte Rosi 40 symbolische, rote Rosen und auch die originale Goldmedaille der Olympischen Spiele 1976 wurde ihr zum Klang der deutschen Nationalhymne noch einmal überreicht.

„Es waren zwei perfekte Rennen, mit einem noch perfekteren Abschluss“, freute sich Reinhard Wieser, Geschäftsführer der Lizum AG über den Besuch von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Ebenso erfreut waren Landeshauptmann Günther Platter und ÖOC Präsident Karl Stoss, der abschließend meinte: „Das Schöne an Events wie den ICG ist, dass man nicht in Nationalgrenzen denkt, sondern darüber hinaus.“

Text: Nadja Jansenberger, Anna Krepper, Foto: Bill Kreutz | Medienkolleg Innsbruck © innsbruck-tirol sports GmbH